Unser rauschhafter Menschenkonsum

Dank Tinder, Lovoo und Co. ist die Partnersuche noch einfacherer geworden – falsch gelegen. Das Internet wird immer als Errungenschaft dafür angesehen, dass die Kommunikation mit einer Textmessage so schnell wie noch nie ist. Aber wie es mit allen Genussmitteln ist, hat das Onlinegedate auch seine Schattenseite. Früher war alles anders, stimmt ja auch. Aber durch das Swipen nach links, das Swipen nach rechts und das Liken des Profils werden wir immer oberflächlicher und womöglich merken wir das gar nicht. Der Grundgedanke von Dating Apps ist eigentlich gar nicht so verkehrt, zumindest für den ein oder anderen. Es hat schon seine Vorteile, vor allem für Minderheiten, wie Heterosexuelle Menschen, und für Menschen, die eher introvertiert sind und denen das Ansprechen oder der erste kommunikative Austausch einfach nicht so liegt. Aber durch ein Profil welches aus zwei, drei Bildern, dem Namen und dem Alter besteht hat man gar nicht die Möglichkeit, einen Menschen nur auf sein Äußeres zu reduzieren. Ob hinter den Profilen auch sympathische Menschen stecken ist mal dahingestellt, aber wie kann man überhaupt einem Menschen die Chance geben, sich wenigstens ein kleines Stück vorzustellen, wenn wir in wenigen Sekunden nur durch das Aussehen vermeintliche Bekanntschaften wegswipen? Wir schauen lediglich auf welche Seite die Haare regelt sind, wie tief der Ausschnitt ist und ob uns die Nase zu spitz oder zu knüppelig ist. Es ist doch auch ganz legitim, dass wir auch noch entscheidende Kriterien wie Alter und Entfernung selber bestimmen können, getreu dem Motto “Wo die Liebe hinfällt”. Augen- und Haarfarbe, Größe und Gehalt, wären doch ein totaler Fortschritt, wenn wir das in Zukunft auch noch angeben könnten. Wahrscheinlich wäre bei solch einer Vorstellung die Treffquote bei Null. Ein weiterer Punkt der sich hierbei stellt, ist, ob die Profile überhaupt der Realität entsprechen oder ob sich dahinter lediglich ein Catfish versteckt. Klar können Menschen sich auch im realen Leben als eine andere Person ausgeben, aber das Internet hat es so leicht wie nie gemacht, sein Leben noch hübscher und toller zu inszenieren oder gar zu fälschen.

Hast du schon mal Dating Apps verwendet?

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Wir reden immer davon, dass es auf die inneren Werte drauf ankommt, dass Grips im Kopf von großer Bedeutung ist, aber schlussendlich sind wir keinen Deut besser, als die Weiber und Matschos denen wir vorwurfsvoll Oberflächlichkeit hinterherrufen. Des Weiteren sind wir empört über unsere sexistische Gesellschaft und Medienlandschaft, aber selber zoomen wir nochmal extra an den Bildern der vermeintlichen Verehrer ran um zu erkennen, ob sich da vielleicht ein Sixpack abzeichnet. Der Bachelor, Love Island und wie sie alle heißen werden immer als kontroverse und sexistische Formate angesehen, aber letztlich gehören wir in den gleichen Topf geschmissen. Die eine ist uns zu billig, bei dem anderen schämen wir uns für sein Bild fremd. Aber wie können wir uns in Bruchteilen von Sekunden ein Urteil dieser Personen machen? Hierbei machen unsere WhatsApp Statusse wie “sei du selbst, dann bist du am besten” und unsere Tumblr Blogs, die nur aus Texten über unsere kaputte Welt schäumen, auch nichts besser.

Wir reden immer davon, dass übertriebener Alkohol und Zigarettenkonsum abhängig und krank machen, aber wie ist es mit dem Konsum von Menschen? Es macht einen traurig, dass wir nicht wahrnehmen, dass wir ein Teil dieses krankhaften Konsums sind. Wir haben die verzerrte Vorstellung, dass wir dank dem Internet ein Stück näher dran sind, unseren perfekten Partner selbst backen zu können. Wir versuchen noch smartere und noch süßere Accessoires zu erlangen und dadurch sind wir letztlich dann doch wieder alleine.

Was könnten wir besser machen? Zum einen wäre es doch mal eine gute Idee, den Nutzern die Möglichkeit zu geben, mehr als nur ihr Instagramprofil zu verlinken. Ein kurzes Video wäre eine Möglichkeit, weniger konforme und mehr individuelle Profile. Wie wäre es damit, nur noch Bilder ohne Filter und Photoshop hochzuladen? Wir sollten mehr das ungefilterte Leben zeigen. Es ist eine Gratwanderung zwischen von sich zu viel und zu wenig beim online Daten preiszugeben, dennoch ist es entscheidend, dass das Profil nicht nur aus einem mit Facetune bearbeiteten Bild besteht.

Und wir müssen an unserer Einstellung etwas ändern, es sich leicht zu machen, die Füße hochzulegen und zu warten bis Misses oder Mister Right um die Ecke kommt – das ist der falsche Ansatz. Solche Apps haben immer den Ruf, dass die meisten User nur das eine wollen, daher könnte man auch mal mit dem Ziel einfach nur nette Bekanntschaften zu knüpfen beginnen. Tinder hat eine Gruppenfunktion, schon gewusst? Das Ganze nicht zum Mittel zum Zweck verwenden, sondern als Möglichkeit sehen, um neue Verbindungen zu knüpfen.

Dating Apps dürfen nicht verteufeln werden. Wie wir mit diesem Medium umgehen, tragen wir unseren Teil bei, wie sehr das Aussehen in unserer Gesellschaft entscheidend ist. Das Geheule über die frühere Zeit und dass diese eine andere war ist groß, aber eine Liebesgeschichte die in einem Café beginnt hört sich einfach schöner an als eine, die durch einen Like auf Tinder anfängt.

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Bildquelle: luizclas / pexels.com Der Lizenzgeber distanziert sich von jeglichen Inhalten auf frechundfrontal.de

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