Passivraucher auf Entzugskur

Ab dem 1. Mai 2018 tritt in Österreich ein neues Gesetz in Kraft. Fortan gibt es ein Rauchverbot in Autos bei Fahrten mit Minderjährigen. Dadurch ist nun eine neue Debatte in Deutschland entstanden. Einige Abgeordnete, unteranderem von der CDU wie Rudolf Henke oder Lothar Binding von der SPD, fordern solch eine Regel auch für Deutschland.

Das Gesetz hätte die Folge, dass Raucher, welche hinter dem Steuer sitzen, sich stärker auf den Verkehr konzentrieren könnten. Ablenkungen wie Asche auf dem Sitz, oder das Feuerzeug welches unter das Pedal gerutscht ist, wären keine Probleme mehr. Der Reiz des Rauchens während des Fahrens wäre durch die darauffolgende Strafe nicht mehr vorhanden, im Idealfall.
Darüber hinaus wären Kinder in Autos vor dem Passivrauchen geschützt, dadurch sind Risiken von Späterkrankungen wie Asthma oder Lungenkrebs niedriger.

Eine Diskussion wie diese ist mit großer Vorsicht zu genießen, bei dieser Thematik geht es um viel mehr als nur um die Gesundheit der Kinder. So ein Gesetz wird in unserer Gesellschaft viele Befürworter finden, dennoch heißen Regeln wie diese Freiheitsberaubung, Erziehung und Verantwortungsentmachtung, vor allem für Eltern.

Solche Diskurse ziehen strenge Konsequenzen mit sich, denn hierbei kommt die Frage auf, braucht man darüber hinaus ein Gesetz für Haushalte mit Kindern? Ist so deshalb auch ein Rauchverbot auch für Schwangere richtig? Wenn die Gesundheit der Kinder dabei am wichtigsten ist, dann ist es nicht mit der Untersagung des Rauchens in Autos getan.

Vielmehr ist es von Bedeutung, dass man die Bevölkerung mit Wissen, Fakten und Statistiken über die gesundheitlichen Folgen von Zigaretten sensibilisiert. Ein schockierender Fakt der hierbei nicht außer Acht gelassen werden sollte ist, dass in Deutschland jährlich ca. 110.000 bis 120.000 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens sterben (Quelle: drogenbeauftragte.de).

Es liegt in der Verantwortung des Bildungssystems und der Erziehungsberechtigten, den Kindern darzulegen, was gut und was schlecht ist. Die Verantwortlichen sollten genug Verstand haben abzuwägen, was für Spätfolgen das Rauchen in der Gegenwart von Kindern hat. Ein Rauchverbot wäre schlichtweg ein Eingriff in die Privatsphäre des Menschen, wobei man sich hierbei die Frage stellen müsste, ob solche Beschlüsse das Verhalten von Menschen verändern, zumal Verantwortliche schon davor über die Schäden der Fluppe informiert waren.

Mit einem Rauchverbot ist das Problem nicht gelöst. Knapp 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind regelmäßig Tabakrauch ausgesetzt, rund 15 Prozent der Jugendlichen bis 17 Jahren rauchen beide Elternteile (Quelle: nichtraucherhelden.de), wobei das wöchentliche Fahren zum Supermarkt oder zu den Großeltern nur ein Bruchteil des Alltags von Familien ist. Die Gesundheit von Kindern kann nicht durch Einschränkungen während dem Autofahren geschützt werden, hierbei spielt das Zusammenleben in den eigenen Vierwänden eine viel wichtigere Rolle. Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden erhöht sich um 18 Prozent für Passivraucher, die regelmäßig im eigenen Haushalt Zigarettenrauch ausgesetzt sind (Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum).

Eltern sind Vorbilder und sollten sich dessen auch bewusst sein. Bei dieser Debatte sollte der Staat womöglich mehr auf Unterstützung für Familien setzen, zumal ein Gesetz gegen das Rauchen keine komplette Sicherheit dafür geben würde, dass Kinder vor dem Qualm geschützt wären, da Gesetze bekanntlich keine vollkommene Sicherheit garantieren. Der Staat könnte in Erwägung ziehen den Betroffenen ihre Verantwortung, z.B. durch Werbekampagnen, zu verdeutlichen und die Risiken ihres leichtsinnigen Verhaltens durch schockierende Fakten aufzuzeigen.

Nur 47 Prozent von Schwangeren im Alter von 27 Jahren stellten vor der Geburt das Rauchen ein (Quelle:welt.de), ein Fakt der einen mindestens genauso gravierend Stellenwert wie das Rauchen im Auto hat. Dass der Staat mit neuen Verboten kommt ist nur eine von vielen Möglichkeiten, in diesem Fall vermutlich die einfachste.

Sollte es ein Rauchverbot in Autos bei Fahrten mit Minderjährigen geben?

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Bildquelle: Naika Lieva “cigarette” / Fotoplattform flickr (https://flic.kr/p/my2i4i) veröffentlicht am am 8. Juli 2013. Der Lizenzgeber distanziert sich von jeglichen Inhalten von frechundfrontal.de

2 Kommentare bei „Passivraucher auf Entzugskur“

  1. Das Thema wo und wann man Rauchen verbieten sollte/könnte ist natürlich endlos: im Auto, zu Hause, in der Schwangerschaft, in der Gegenwart von Schwangeren, für Lehrer vor und während der Schulzeit, wenn man mit einem Kind spazieren geht, usw…
    Rauchen im Auto, wenn Minderjährige anwesend sind, ist da noch das Verbot, welches sich wahrscheinlich am ehesten und besten durchsetzten lässt.

    1. Liebe Liya,

      vielen Dank für dein Kommentar.
      Ich sehe das genauso, klar kann man alles mit Gesetzen verbieten, aber wie weit darf Kontrolle gehen?

      Liebe Grüße
      Fredi

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