Die Doppelmoral des 21. Jahrhunderts

Fast jedes 5. Kind ist in Deutschland zu dick (Quelle: gesundheit.de). Ein erschreckender Fakt, bei dem schon alle Alarmglocken angehen sollten. Wenn man in diverse Supermärkte geht wird man reizüberflutet von Titeln wie “zuckerfrei”, “100% natürlicher Zucker” oder “nur mit Stevia gesüßt”. Dennoch ist es fraglich, weshalb wir bei all diesen “ultra healthy” und “total zuckerfreien” Nahrungsmitteln nicht wie Barbie und Ken aussehen und unsere Kinder immer dicker werden.

Gegen dieses gesellschaftliche Problem versucht der Saat schon seit Jahren mit Ernährungsaufklärung gegen zu wirken. Schon im frühen Kindheitsalter wird den Sprösslingen in der Schule vermittelt, dass Obst und Gemüse gesund ist. Was gibt es besseres als genüsslich in einen Kohlrabi zu beißen?

Aber anhand der Fakten zeigt sich ja, dass die Aufklärung nicht wirklich fruchtet. Stattdessen gibt es in den schuleigenen Snackautomaten RedBull, Chips und KitKat, mega gesund und total sättigend. Kinder verbringen den halben Tag in der Schule, daher ist es umso wichtiger, ihnen nicht nur Dickmacher vorzulegen. Solange sie bei jeder Pause mit den verführerischen Zwischenmahlzeiten konfrontiert werden, kann ein Kind eine noch so gute Erziehung genießen. Zumal weiß man wie sehr man auf Mama oder Papa hört, wenn man sich in der Pause ohne weiteres und ohne jegliche Konsequenzen von seinem Münzgeld schnell was leckeres holt.

Zum einen predigen wir den Kindern mehr Grünes zu essen und im gleichen Atemzug verführt man die Dinger mit der Sünde, wie es die Schlange mit Eva getan hat. Es ist eine paradoxe Vorstellung den Schülern zu zeigen was gut und was schlecht ist, aber selber sich dafür verantwortlich zu machen wieso unsere Zukunftsträger zunehmen.

Es geht sogar noch einen Schritt weiter. In den Schulordnungen ist es fest verankert, dass der Schulhof nicht während der Schulzeit verlassen werden darf. Das Ganze hat einen rechtlichen Hintergrund, dennoch sind die Kinder umso mehr auf die mit Junkfood gefüllten Automaten angewiesen. Von 1.000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind 15 Minderjährige an Diabetes Typ 2 erkrankt (Quelle: stern.de) und wir tragen unseren Beitrag durch die grotesken Standarte in Schulen bei.

Auf der anderen Seite kann man sagen, dass die Eltern dafür die Verantwortung tragen, dass ihre Kindern ein ausreichendes Essen mit in die Schule nehmen. Trotzdem weiß jeder, dass das in Praxis nicht immer geht, die Zeit dafür fehlt und zwei Euro in die Hand zu drücken einfach schneller geht.

Die sinnvollste Idee wäre doch wenn man den Kindern gesunde Snacks vorlegt. Anstatt Snickers gibt es ab sofort Nüsse. Kein Knoppers mehr, dafür aber getrocknete Bananen. Spätestens jetzt wird das Geschrei groß, wenn die Eltern sich vor ihre Kinder stellen und behaupten, dass für sie Studentenfutter praktisch ein Fremdwort ist. Aber was spricht dagegen, wenn die schuleigenen Automaten nur noch mit gesundem Essen gefüllt sind? Zum einen haben Eltern das gute Gewissen, dass ihre Kinder in der Schule nicht mehr von ungesundem Kram umgeben sind, zum anderen ist es die beste Strategie, um Wallnüsse und Sonnenblumenkerne schmackhaft zu machen. Bei diesem Punkt könnte man sogar einen Schritt weiter gehen und täglich frisches Obst und Gemüse anbieten, aber wahrscheinlich ist hierbei den Meisten wieder der Aufwand zu groß und das Geld fehlt ja eh an allen Ecken und Kanten.

Ein anderes Problem, welches Hand in Hand mit den teuflischen Automaten geht, ist das Mittagessensangebot. Dank eigenen Erfahrungen weiß ich jetzt, das Emmentaler auch eine Sorte von Schimmelkäse ist. Hierbei muss man bei dem Essen welches wir unserem Nachwuchs vorlegen objektiv sagen, dass das eine grobe Fahrlässigkeit ist. Pasta die in Mikrowellen aufgetaut wird, Salate mit Fertigdressing, ist das akzeptabel? Die angepriesenen Spätzle mit Soße sehen letztlich eher wie eine Mischung aus Suppe und Eintopf aus. Zuerst hämmern wir den Knirpsen ein, dass sie ausgewogen essen sollen und in der Mittagspause lassen wir ihnen gar keine andere Wahl als sich mit undefinierbarem Essen zu sättigen. Die essenden Kinder erinnern einen mit ihrem abstoßenden Essen irgendwie an die Dschungelprüfung bei der widerwärtige Tierinnereien gegessen werden müssen. Es ist eine traurige Vorstellung, dass wir noch im 21. Jahrhundert über solche Missstände an Schulen reden müssen. Wir tragen die Verantwortung welchen Müll unsere Kinder essen. Solche Probleme entstehen dadurch, dass leider dafür das Geld fehlt. Es soll schnell gehen, darf nicht so viel kosten und Hauptsache es macht satt.

Wie denkt ihr über das Thema?

Bist du mit dem Essensangebot an Schulen, Universitäten etc. zufrieden?

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Bildquelle: feel-the-silence/flickr (https://flic.kr/p/9LA6bw)

Ein Kommentar bei „Die Doppelmoral des 21. Jahrhunderts“

  1. An meiner Universität gibt es mehrere Mensen, Kantinen, Bistros oder Cafés. Eine davon bietet sogar fast nur veganes Essen an.
    Die einzige Mensa auf meinem Campus jedoch ist nicht gerade ein Vorzeigemodell. Mindestens zwei mal wöchentlich wird „Mediterrane Gemüsepfanne“, „Gemüseeintopf“, oder Ähnliches angeboten. Dabei handelt es sich jedoch immer um die selbe Pampe, bei welcher die Geschmacksverstärker wahrscheinlich den Hauptteil des Gerichtes ausmachen. Das ist dann jedoch immer das einzige vegetarische und vegane Gericht. Wenn man sich also für eine solche Ernährungsweise entschlossen hat bleibt einem gar nichts anderes übrig. Natürlich können wir auch auf einen anderen Campus fahren oder uns etwas in der Nähe holen. Doch Döner und Subway sind da auch nicht gerade eine gesunde Alternative.

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